Ideen für den ersten Unterrichtstag

Die aktuelle Krisensituation wirft viele Fragen auf, bietet aber grundsätzlich auch Chancen, durch einen guten Umgang mit Herausforderungen die Selbstkompetenz von Lehrkräften und Schüler*innen zu stärken:  Durch die Erfahrung, Krisensituationen gemeinsam und flexibel mit Blick auf die Bedürfnisse des Einzelnen und der Gemeinschaft meistern zu können, werden Ressourcen generiert, auf denen alle am Schulleben Beteiligten aufbauen können, um den weiteren Herausforderungen der Corona-Krise gewachsen zu sein. 

Überlegungen vor Aufnahme des Unterrichtsbetriebs

Bevor der Unterricht wieder aufgenommen werden kann, gibt es einige grundsätzliche Überlegungen, die zu treffen und zu kommunizieren gilt:

Kommunikation im Kollegium

Kommunikation mit Eltern/Schüler*innen

Empfehlungen zur Umsetzung

Maßnahmen innerhalb der Klasse/Lerngruppe

Wie ist der Tag strukturiert?

Möglichkeiten der Strukturierung

Einige Methoden für den ersten Schultag


Kommunikation im Kollegium

Von den Lehrkräften wird aktuell mehr denn je Sicherheit und Orientierung erwartet. Daher wäre es wichtig, vorab gemeinsame Antworten auf die Fragen der Schüler*innen zu finden.  Hier ist ein einheitliches Wording bezüglich neuralgischer Fragestellungen - z.B. Umgang mit den Online-Aufgaben- anzustreben, um Unsicherheiten bei Schüler*innen zu vermeiden. 

Das Kollegium sollte deshalb vor dem Unterrichtsbeginn in einer Dienstbesprechung über alle Abläufe und Planungen im Detail informiert werden: 

  • Wer ist im Dienst bzw. welche Kolleg*innen müssen vertreten werden?
  • Wer ist für welche Schüler*innen verantwortlich bzw. wie soll der Unterricht in den kommenden Tagen/Wochen strukturiert sein (Schüler*gruppen, Raumverteilung)?
  • Gibt es Schüler*innen, die als vulnerabel gelten und deshalb weiterhin zu Hause Materialien erhalten? Wer ist dafür Ansprechpartner*in?
  • Welche Regelungen gelten bzgl. Pausen?
  • Welche Hygienemaßnahmen gilt es zu beachten?
  • Welche Informationen haben die Eltern/Schüler*innen vorab erhalten?
  • Was soll mit den Schüler*innen am ersten Schultag thematisiert werden?
  • Benötigen wir Rückmeldungen von Eltern bzgl. der vergangenen Zeit? Wie holen wir sie ein?
  • Im Elternportal haben wir einen Vorschlag für einen Elternfragebogen eingestellt. Dieser könnte durch die Vorsitzenden der Klassenpflegschaften in Umlauf gebracht und ausgewertet werden. 
  • An wen kann man wenden, wenn sich in der Klasse schwierige und hochemotionale Situationen ergeben? 

Vor allem mit Blick auf die letzte Frage ist es erforderlich, sich als Kollegium noch einmal die Empfehlungen zum Umgang mit schulischen Krisen (Krisenordner) zu vergegenwärtigen und ggf. weitere Absprachen zu treffen. Verweis

Es wäre außerdem hilfreich, den Kolleg*innen gebündelt eine kurze Übersicht über die Maßnahmen, die auf den Krisenfall Corona zutreffen, an die Hand zu geben; z.B. schulorganisatorische und schulfachliche Hinweise (Organisation von Unterricht, Umgang mit Leistungsbewertung etc.) , aber auch Informationen zu Hygiene.

 

 

Kommunikation mit Eltern/Schüler*innen

Eltern und Schüler*innen sollten vor Unterrichtsbeginn von ihrer jeweiligen Schule in einem Anschreiben über die Abläufe des ersten Unterrichtstages informiert werden: 

  • Wer ist Ansprechpartner*in in der Schule für das jeweilige Kind? (Dies ist besonders wichtig, wenn es sich um eine andere Person als die vertraute Klassenlehrkraft handelt)
  • Wer sind die Ansprechpartner*innen für die Eltern bei weiteren Fragen?
  • Wer soll sich wann in welchem Raum einfinden?
  • Welche Materialien sollen mitgebracht werden?
  • Wann ist der erste Unterrichtstag beendet?
  • Gibt es (für die jüngeren Schüler*innen) das gewohnte Betreuungsangebot?
  • Gibt es die gewohnte Verpflegung in der Schule?
  • Ist der Schülerspezialverkehr in gewohnter Form eingesetzt? (Vorrangig bei Förderschulen)
  • Welche Maßnahmen zur Sicherstellung des Gesundheitsschutzes werden durch die Schule ergriffen? / Welche Maßnahmen sind durch die Eltern vorab mit ihren Kindern zu besprechen?

Wenn im Vorfeld keine Zeit mehr hierfür bleibt, werden die meisten Schüler*innen den Ort aufsuchen, an dem sie zu diesem Zeitraum nach regulärem Plan Unterricht hätten. Wenn Schulen davon abweichen, sollten Sie darauf  ausreichend und deutlich an den Eingängen hinweisen.

 Es ist dann -um Unsicherheiten zu vermeiden, notwendig, den Schüler*innen einen Elternbrief mit den og. Informationen mitzugeben.

Empfehlungen zur Umsetzung

 Wer unterrichtet am 1. Schultag in welcher Lerngruppe/Klasse?

Es ist anzustreben, dass eine vertraute Person (Klassenlehrer*in) am ersten Schultag in der Klasse eingesetzt ist. Eine Kontinuität über den gesamten Unterrichtsvormittag ermöglicht ein vertieftes Gespräch mit den Schüler*innen und eine Strukturierung des Tages ohne Brüche.

Hierfür sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, mindestens jedoch eine Unterrichtsstunde. Es ist auch denkbar, diese Phase über den gesamten Vormittag  auszudehnen. Diese Frage ist abhängig von der schulinternen Organisation.

 

 

Maßnahmen innerhalb der Klasse/Lerngruppe

 Grundsätzlich sollte der Unterricht zu Beginn jedoch dahingehend gestaltet sein, dass er Zeit und Raum bietet für die Auseinandersetzung mit dem Erlebten und erste Perspektiven für die Weiterarbeit gibt.

Das Ziel des ersten Schultages ist es, sich zunächst einen Eindruck des Ist-Stand bezüglich der Schüler*innen zu verschaffen: wer ist alles wieder da - in welcher Grundverfassung,- welche Fragen werden mitgebracht?

Hier kann die Nutzung von Screening-Verfahren und Umfragebögen hilfreich sein. (

Darüber hinaus soll der erste Schultag  einen ersten Überblick in die (neue) schulische Realität bieten: Wie geht es in dieser und in den kommenden Woche(n) weiter?

 

 

Wie ist der Tag strukturiert?

Für den ersten Tag sollte eine Tagesstruktur („Stundenplan“/Tagesplan) in der Klasse visualisiert werden. Dies erfolgt je nach Altersstufe durch bekannte Piktogramme oder durch Begriffe.  Gesprächsphasen und Arbeitsphasen sollten gleichermaßen mitgedacht werden, dennoch ist ein flexibles Handeln sicherlich an der ein oder anderen Stelle erforderlich.

 

Für die ersten Gespräche in der Klasse empfiehlt es sich, die sonstige Sitzordnung zugunsten eines Gesprächskreises aufzulösen. In Abhängigkeit von der Gruppengröße und auch der Altersstufe sind verschieden Methoden einzusetzen. (s.u. Anregungen zu Methoden)

Sofern es in der Klasse ritualisierte Gesprächsmethoden gibt, sollten diese aufgegriffen werden, um hier möglichst viel Sicherheit durch vertraute Abläufe zu bieten;  neu in einer Lerngruppe eingesetzte Lehrkräfte können diese bei Bedarf bei den Schüler*innen erfragen..

Exkurs: Rituale- Sicherheit in der Verunsicherung bieten

Die Schule beginnt wieder, stellt sich aber für die Schüler*innen im Vergleich zu ihren bisherigen Schulerfahrungen deutlich verändert dar: Lerngruppen sind anders zusammengesetzt, der Schulalltag ist neu strukturiert, teilweise fehlen bekannte Bezugspersonen. Hier sind Hilfen zur Orientierung im sozialen Umfeld großer von Bedeutung. Rituale im Unterricht schaffen Orientierung und unterstützen Schüler*innen dabei, sich in eine soziale Ordnung einzufügen. 

Gerade in Zeiten der Verunsicherung ist die Auswahl, Gewichtung und Strukturierung der Unterrichtsinhalte und vor allem das konkrete Unterrichtshandeln in besonderem Maße darauf ausgerichtet, einen Beitrag  zur Entwicklung individuell bedeutsamer Kompetenzen  zu leisten und den Schüler*innen Sicherheit zu geben. Entsprechend erhalten wiederkehrende Maßnahmen zur Unterrichtsgestaltung ein besonderes Gewicht.

 

Rituale sind ein fester didaktischer Bestandteil im Unterricht an Grund- und Förderschulen. Unter Einsatz von Symbolen und individuell ausgewählten Kommunikationsmethoden können strukturierte Tages- und auch Wochenabläufe und ein routiniertes Vorgehen bei wiederkehrenden Abläufen den Schüler*innen  Handlungssicherheit sowie einen zeitlichen Orientierungsrahmen bieten.

Sie geben Sicherheit, auch in Bezug auf erwünschte Verhaltensweisen und fördern somit  das Selbstwertgefühl der Schüler*innen. Dies stellt eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Lernen dar.  Sie unterstützen die Selbststeuerung und dienen auch der Verarbeitung von belastenden Lebenseindrücken.

Vor diesem Hintergrund ist auch der verstärkte Einsatz von Ritualen (sofern sie zur Altersgruppe passen) im Unterricht in der Sekundarstufe zu überdenken, um  das Miteinander stärken und den Schülerinnen und Schülern im veränderten Schulalltag durch Routine Sicherheit zu vermitteln. 

Dies bezieht sich besonders auf die folgenden Bereiche 

  • Tagesstruktur (da der konventionelle Stundenplan sich verändert hat und möglicherweise auch nicht konstant ist)
  • Umgangsregeln im Unterricht, im Schulgebäude und in den Pausen (Abstand, Hygiene etc.)
  • Gesprächssituationen (Begrüßung, Absprachen, Aufarbeiten von Erlebtem, Sorgen, Verabschiedung etc.) 

In den Klassen, in denen bislang bereits Rituale eingesetzt wurden, muss geprüft werden, inwieweit sie unter den aktuellen Bestimmungen weiter genutzt werden können; ggf. müssen Modifikationen vorgenommen werden:

So kann in einer Gesprächsrunde, in der sonst ein Redestein von Hand zu Hand weitergereicht wird, vielleicht  durch das Zurollen eines Gesprächsballes mit dem Fuß ersetzt werden.

 Helfersysteme, bei denen Kinder für gewöhnlich  „die Köpfe zusammenstecken“ können ebenfalls nicht in der gewohnten Weise erfolgen, sondern müssen durch Hilfen ersetzt werden, die auf die Ferne gelingen, z.B. Selbstkontrollblätter, Tippkarten etc.

 Hilfreich ist es in jedem Fall neue Rituale gemeinsam mit den Schüler*innen  zu entwickeln und zu erproben.

Weitere Anregungen können sein: 

  • Türplakate, die bereits beim Eintreten in die Klasse wahrgenommen werden, und die wichtigsten Verfahrensweisen im Umgang in der Klasse regeln (wohin kommt die Jacke, wo finde ich einen Sitzplatz mit Abstand etc.)
  • Kennzeichnungen im Treppenhaus zur Festlegung der Bewegungsrichtung (markieren mit Farben oder Pfeilen)
  • Blitzlichter am Ende eines Schultages zur Reflexion
  • Kummerkasten/Kummerbuch in der Klasse 

 

Möglichkeiten der Strukturierung:

 Es gibt drei inhaltliche Schwerpunkte, die zu besprechen sind: 

  • Blick zurück: Wie ist es euch in der unterrichtsfreien Zeit ergangen? Was habt ihr gemacht? Was war gut, was nicht? Wie seid ihr mit dem Lernen auf Distanz zurecht gekommen?
  • Blick ins jetzt: Wie geht es euch heute? Worüber freut ihr euch - welche Fragen habt ihr?
  • Blick in die Zukunft: Wie geht es in der Schule weiter? Was ist die Planung der nächsten Tage? 

In welcher Reihenfolge und mit welcher Methodik diese drei Aspekte mit den Schüler*innen besprochen wird, hängt maßgeblich von der Altersstruktur der Schülerinnen, aber auch von den Fragen ab, die die jeweiligen Gruppen  äußern. Es erscheint aber in jedem Fall wichtig, alle drei Aspekte zu thematisieren, um allen gerecht zu werden. 

Die nachfolgende Übersicht ist entsprechend als Anregung für einen möglichen Ablauf zu sehen. 

Der Beginn des Tages sollte in der Lerngruppe gemeinsam erfolgen. 

Blick auf die emotionale Lage:

  • Wie geht es euch?
  • Wie habt ihr die Zeit zu Hause erlebt? 

Beispiel für eine mögliche Methode - das Stimmungsbarometer: 

Die Schüler*innen  geben eine Rückmeldung zu ihrer Stimmungslage.

In unteren Jahrgangsstufen bietet es sich an  Bildkarten zu arbeiten, die beispielsweise Gesichtsausdrücke abbilden, gut nutzbar sind an dieser Stelle auch Wettersymbole – Sonne,  Wolken, Blitz etc.

In höheren Jahrgangsstufen dagegen sollte eher mit verschriftlichten Ausdrücken

gearbeitet werden.)

 

Wenn viele sehr negative Erfahrungen vorherrschen, kann es bei jüngeren Schüler*innen auch hilfreich sein eine Übung anzuschließen, in der dieses Negative sinnbildlich weggeworfen wird. Dazu können Begriffe von den Schüler*innen aufgemalt oder geschrieben werden und anschließend reihum im einem Mülleiner reihum entsorgt werden. Ebenso können positive Aspekte in einer Schatzkiste gesammelt werden.

 

Blick auf das Lernen:

  • Wie seid ihr mit den Aufgaben zurecht gekommen? - Lernstand eruieren und Fragen besprechen. 

Beispiel für eine mögliche Methode – Satzanfänge: 

Die Lehrkraft gibt als Impuls einen Satzanfang vor, der von den Schüler*innen individuell zu einem ganzen Satz vervollständigt wird. Mögliche Satzanfänge sind:

Ich fand es einfach, dass...; Ich war ganz aufgeregt, als... Ich war neugierig, als...
Ich hätte mir gewünscht, dass... Ich freue mich, dass... , Ich war gelangweilt, als... Ich war frustriert, dass... ) 

  • Wie werden die eingereichten Ergebnisse berücksichtigt?
  • Wie wird der versäumte Unterrichtsstoff nachgearbeitet? Für Q1: Was davon ist relevant für das Abitur?
  • Was passiert, wenn nichts/ wenig abgegeben wurde?
  • Sofern genutzt: Wie seid ihr mit den digitalen Medien zurecht gekommen?
  • Hattet ihr hinreichend Endgeräte?

 

Sachinformationen / Blick Struktur

  • Wie geht es weiter? Planung der nächsten Schulwochen / Struktur
  • Welche Regeln gelten für schulischen Alltag in Corona? (z.B. Händewaschen, Verhalten in Pausen...)
  • Welche Leistungsnachweise sind wann zu erbringen?
  • Wie werden Grundlagen für die Zeugnisnoten geschaffen?
  • Welche außerschulischen und außerunterrichtlichen Veranstaltungen sind im nächsten Schuljahr vorgesehen? Welche entfallen? 

Für ältere SuS zusätzlich:

  • Wie werden Informationen zur Laufbahnberatung, zur Wahl der Kurse in der Oberstufe, der Differenzierungsfächer, der Fremdsprachen, der Studien-und Berufsorientierung...) gegeben?

   

Einige Methoden für den ersten Schultag

Wir haben hier einige Methoden zusammengetragen, die für den ersten Schultag und seine besondere Situation hilfreich sein können.

Je nach hygienischen Vorgaben/Abstandsregelungen muss diese Auswahl ggf. eingeschränkt werden.
 

Methoden zur Impulssetzung und Strukturierung des Gesprächs mit Blick auf die emotionale Lage (Auswahl)

  • Stimmungsbarometer
  • Collagen
  • Satzanfänge
  • Erfahrungskreis
  • Vier Ecken Methode
  • Timeline

 

Methoden zur Impulssetzung und Strukturierung des Gesprächs mit Blick auf das Lernen (Auswahl)

  • Blitzlicht
  • Kugellager
  • Fischbowl
  • Schatzkiste

 

Methoden zur Impulssetzung und Strukturierung des Gesprächs mit Blick auf die aktuelle Struktur von Schule (Auswahl)

  • Bilder malen
  • Top Ten
  • Zukunftswerkstatt

 

Erstes Anknüpfen an schulische /fachliche Inhalte (Auswahl)

  • Glückstopf“
  • Brief an mich

  

Bitte beachten Sie bei der Auswahl der Methoden die Hygienebestimmungen und das Platzangebot im jeweiligen Klassenraum.

Erläuterungen zu diesen und vielen weiteren Methoden finden sich unter:

https://www.schulentwicklung.nrw.de/methodensammlung/liste.php 

https://www.uni-duesseldorf.de/home/fileadmin/redaktion/Lehre/Hochschuldidaktik/Downloads/Methodenbuch_Stand151216.pdf 

https://www.bpb.de/shop/lernen/thema-im-unterricht/36913/methoden-kiste (download möglich)

 

 

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