Für Schulleitungen, Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal

Einleitung

Seit vielen Wochen stellt uns das Corona Virus global vor sehr hohe Herausforderungen. Massive Einschränkungen im täglichen Leben, Ungewissheiten, Sorgen und teilweise auch Ängste begleiten uns und bestimmen vielerorts den Alltag. Auch das System Schule und die damit verbundenen Sozialkontakte sowie das schulische Lernen haben sich in den letzten Wochen in ganz anderer, ungewohnter Weise gestaltet. Dies hat für alle Beteiligten zu veränderten Herausforderungen und teilweise auch ganz neuen Fragestellungen geführt.

Das selbständige Arbeiten, die Nutzung digitaler Medien als Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler*innen stehen an vielen Stellen im Vordergrund, aber auch die Sorge um ausbleibende Leistung, fehlende Übersicht über die Lernfortschritte sowie stellenweise die Sorge um die Grundversorgung, die physische und die psychische Gesunderhaltung.

Lehrkräfte haben sich auf den Weg gemacht und teilweise für sie neue Kanäle zur Wissensvermittlung genutzt, gleichzeitig beschäftigen sie viele Fragen: Wie geht es meinen Schüler*innen? Wie erreiche ich alle? Wie werde ich ihnen inhaltlich gerecht? Wie gebe ich Rückmeldung, um den Lernprozess zu begleiten? Mit Blick auf die Wiedereröffnung der Schulen stellen sich auch weitere Fragen, beispielsweise: Wie kann ich den zu vermittelnden Unterrichtsstoff nun in der Kürze der verbleibenden Zeit des Schuljahres noch einbringen? Wie bewerte ich die Leistung? Aber auch die Frage nach der Thematisierung des gemeinsam und doch getrennt Erlebten wirft für Lehrkräfte Fragen auf: Sie durchleben selbst die aktuelle Situation, sind möglicherweise selber Eltern und haben ihre eigenen Kinder in der Zeit der KiTa- und Schulschließung betreut, haben Veränderungen und Einschränkungen in den sozialen Kontakten miterlebt und eigene Sorgen und Ängste zu verarbeiten.

In ihrer Rolle als Lehrkraft ist nun ein professioneller Umgang mit der Situation gefragt, in der Schüler*innen, aber auch möglicherweise Eltern Antworten auf eigene Fragen sowie Unterstützung erwarten.

Schüler*innen haben die Zeit der Schulschließung sicherlich sehr unterschiedlich wahrgenommen, in hohem Maß auch abhängig davon, wie die häuslichen Rahmenbedingungen gegeben sind. Belastungsfaktoren innerhalb der Familie, räumliche und soziale Bedingungen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Es gibt Schüler*innen, die an den angebotenen Lernmaterialien gut teilhaben konnten, andere konnten vielleicht keinen Zugang dazu finden oder waren mit dem erforderlichen Maß an Selbständigkeit in der Erarbeitung überfordert.

Fragen, die Schüler*innen beschäftigen, werden je nach Alter und Lebenssituation sehr unterschiedlich und vielfältig sein, aber die Frage nach dem „Wie geht es jetzt in Schule weiter? Wird wieder alles so wie früher?“ eint sicherlich die meisten.

Auch Eltern, die den Lernprozess ihrer Kinder in unterschiedlichster Weise begleitet haben, haben in dieser Zeit viele Fragen an die Schule, beispielsweise: Hat mein Kind genug gelernt? Wie wird die erbrachte Leistung bewertet? Ebenso ist davon auszugehen, dass außerschulische Faktoren (Zukunftsängste, Unsicherheiten im Umgang mit gesundheitlichen Risiken und möglichen fortbestehenden Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens) sich auf die Beratungskontexte auswirken.

Vor diesem komplexen Hintergrund ist es wichtig, gerade zum Wiedereinstieg in den regulären Schulbetrieb, ein Vorgehen zu erarbeiten, um das Erlebte im erforderlichen Maße aufzugreifen, aber auch eine Rückkehr in eine (neue) schulische Routine zu ermöglichen.

In dieser Handreichung sind Hinweise für verschiedene Mitglieder einer Schulgemeinschaft formuliert, die eine Unterstützung dabei sein können, in den Beratungen der entsprechenden schulischen Gremien ein gleichsinniges Handeln zu planen. Sie soll allen am Schulleben Beteiligten Hilfen bieten in der Erfassung der Komplexität der aktuellen Situation. Entsprechend beinhaltet sie – neben Sachinformationen zu schulischen Grundsatzfragen – eine Schwerpunktsetzung beim Thema Umgang mit Ängsten, bietet Anregungen zur Umsetzung erster Unterrichtsstunden und fasst Beratungsangebote zusammen:

Hinweis: Die Handreichung für Schulleitungen und Lehrkräfte ist als gemeinsames Produkt von Lehrkräften und Schulpsychologie entstanden.